Photobiomodulation und Cortisol: Kann die Rotlichttherapie beim Stressmanagement helfen?
- Jana Drnkova
- vor 2 Tagen
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Cortisol ist kein „schlechtes“ Hormon. Es wird für die Energieproduktion, die Wachsamkeit, die Regulierung des Blutzuckerspiegels und die Aufrechterhaltung eines gesunden Tag-Nacht-Rhythmus benötigt. Das eigentliche Problem entsteht meist dann, wenn dieser natürliche Rhythmus gestört ist, beispielsweise wenn die Cortisolwerte am Abend zu hoch bleiben und dadurch Schlaf und Regeneration beeinträchtigt werden.
Die Photobiomodulation (PBM) nutzt rotes und nahinfrarotes Licht, um Zellfunktionen zu beeinflussen. Im Wellenlängenbereich von 610 bis 850 nm könnte PBM Cortisol indirekt beeinflussen, indem sie die mitochondriale Energieproduktion, die Stickstoffmonoxid-Signalübertragung, die Durchblutung, Entzündungsprozesse und möglicherweise die Stresskommunikation zwischen Haut und Gehirn verbessert.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind vielversprechend, aber noch uneinheitlich. Eine placebokontrollierte Humanstudie zeigte, dass eine PBM-Behandlung mit 850 nm nach vier Wochen den Cortisolspiegel vor dem Schlafengehen senken konnte.
Was ist Cortisol und warum ist es wichtig?
Cortisol ist das wichtigste Stresshormon des Körpers. Es reguliert die Energieversorgung, den Blutdruck, Entzündungsprozesse, den Stoffwechsel und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei gesunden Menschen sind die Cortisolwerte normalerweise morgens am höchsten und vor dem Schlafengehen am niedrigsten.
Dieser tägliche Rhythmus ist entscheidend. Erhöhte Cortisolwerte vor dem Schlafengehen werden mit einer kürzeren Schlafdauer, einer geringeren Schlafeffizienz und einer längeren Einschlafzeit in Verbindung gebracht. Das Ziel besteht daher nicht darin, Cortisol vollständig zu eliminieren, sondern einen gesunden physiologischen Rhythmus aufrechtzuerhalten: ausreichend hoch am Morgen und ausreichend niedrig am Abend.
Wie kann PBM Cortisol beeinflussen?
Der am besten untersuchte Wirkmechanismus der PBM beginnt in den Mitochondrien. Rotes und nahinfrarotes Licht kann von der Cytochrom-c-Oxidase absorbiert werden, einem Schlüsselenzym der zellulären Energieproduktion. Dies kann die ATP-Produktion erhöhen, die Signalübertragung reaktiver Sauerstoffspezies verändern und die Freisetzung beziehungsweise das Gleichgewicht von Stickstoffmonoxid fördern. Dadurch können die Durchblutung und die zelluläre Kommunikation verbessert werden.
PBM kann auch „übergeordnet“ über das Gehirn wirken. Studien zur transkraniellen Photobiomodulation legen nahe, dass rotes und nahinfrarotes Licht den Gehirnstoffwechsel, Entzündungsprozesse und die zerebrale Durchblutung in Bereichen beeinflussen kann, die an der Regulierung von Stimmung und Stress beteiligt sind. Dies ist besonders relevant, da Cortisol über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse) gesteuert wird, das zentrale Stressreaktionssystem des Körpers.
Ein dritter möglicher Wirkweg verläuft über die Haut-Gehirn-Achse. Die Haut ist nicht nur eine passive Schutzbarriere, sondern verfügt über eigene neuroendokrine Signalwege sowie ein HPA-ähnliches Stresssystem. Da PBM Hautentzündungen, die lokale Durchblutung und verschiedene biologische Signalprozesse beeinflussen kann, ist es plausibel, dass die Bestrahlung der Haut beruhigende Signale an das Nervensystem sendet. Diese Hypothese ist biologisch plausibel, wurde jedoch bisher nicht direkt als Hauptmechanismus für die beim Menschen beobachteten Veränderungen des Cortisolspiegels nachgewiesen.
Anwendung von Photobiomodulations-Panels
Zur Unterstützung des Stressmanagements und der Regeneration besteht die praktischste Konfiguration in der Regel aus einer Kombination von roten und nahinfraroten Wellenlängen: etwa 630–670 nm für oberflächliche Gewebe und 810–850 nm für eine tiefere Eindringtiefe. Die direktesten Studien zum Thema Cortisol verwendeten Wellenlängen von 786,94 nm und 850 nm, während viele Ganzkörpersysteme die Kombination 660 + 850 nm einsetzen.
Die optimale Dosis zur Beeinflussung von Cortisol ist noch nicht bekannt. Das stärkste direkte Signal beim Menschen wurde jedoch mit einer Dosis von 6,5 J/cm² beobachtet. Ganzkörperstudien verwenden je nach Leistung des Geräts typischerweise Sitzungen von etwa 5 bis 30 Minuten.
Die wichtigste praktische Erkenntnis lautet: Bestrahlungsstärke und Dosis sind nicht dasselbe. Die Dosis beziehungsweise Fluenz wird in J/cm² angegeben und hängt sowohl von der Bestrahlungsstärke als auch von der Anwendungsdauer ab. Für die stressbezogene Anwendung zu Hause stellt eine moderate Hautdosis von etwa 4–10 J/cm² einen sinnvollen Ausgangspunkt dar. PBM folgt häufig einer biphasischen Dosis-Wirkungs-Beziehung: Eine zu geringe Dosis kann wirkungslos sein, während eine zu hohe Dosis die gewünschten Effekte abschwächen kann.
Ein Beispiel: Ein Panel mit einer Bestrahlungsstärke von 20 mW/cm² liefert etwa 6 J/cm² in 5 Minuten, während ein Panel mit 50 mW/cm² dieselbe Dosis bereits in rund 2 Minuten erreicht.
Halten Sie einen konstanten Abstand zum Gerät ein. In vielen Ganzkörperstudien befanden sich die Teilnehmer etwa 20 bis 30 cm von der Lichtquelle entfernt. Experten weisen darauf hin, dass die Leistungsdichte mit zunehmender Entfernung abnimmt.
Der einzige Tageszeitpunkt, der bisher direkt im Zusammenhang mit einer Senkung des Cortisolspiegels am Abend untersucht wurde, liegt zwischen dem Morgen und dem frühen Nachmittag. Dies ist daher derzeit der wissenschaftlich am besten gestützte Zeitpunkt für die Anwendung.
Eine praktische Routine besteht aus 3 bis 5 Sitzungen pro Woche mit moderater Dosierung. Die Häufigkeit oder Dauer kann anschließend schrittweise erhöht werden, sofern die Anwendung gut vertragen wird und keine übermäßige Steigerung der Wirkung angestrebt wird.
Aus Sicherheitsgründen sollten Sie niemals direkt in die LEDs blicken. Tragen Sie bei Bedarf einen geeigneten Augenschutz. Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn Sie schwanger sind, an einer Lichtempfindlichkeitsstörung leiden, photosensibilisierende Medikamente einnehmen, eine krebsverdächtige oder krebsbetroffene Hautstelle behandeln möchten oder eine verminderte Hautsensibilität im Behandlungsbereich aufweisen.

Vorteile, Grenzen und Fazit
Für die meisten Anwender besteht der realistischste Nutzen der Photobiomodulation nicht darin, Cortisol vollständig „auszuschalten“. Zu den potenziellen Vorteilen zählen vielmehr eine bessere Entspannung am Abend, eine mögliche Senkung des Cortisolspiegels vor dem Schlafengehen bei einigen Personen, die Unterstützung von Schlaf und Regeneration, die Verringerung bestimmter Schmerzen oder Kopfschmerzen sowie eine Verbesserung der Zellfunktion und der Durchblutung. Diese Effekte können dennoch zu einer spürbaren Entlastung im Alltag und zu einem besseren Stressmanagement beitragen.
Die Qualität der wissenschaftlichen Evidenz ist insgesamt weiterhin niedrig bis moderat. Es gibt nur wenige Studien, die Cortisol direkt untersuchen, die Teilnehmerzahlen sind begrenzt, die verwendeten Geräte und behandelten Körperbereiche unterscheiden sich erheblich, und die Forscher nutzen verschiedene Methoden zur Messung von Cortisol, darunter Speichel-, Haar-, Plasma- und Serumproben.
Die Forschung zu Photobiomodulations-Panels und Ganzkörperanwendungen ist besonders begrenzt. Selbst die Berechnung der Dosierung kann zwischen verschiedenen Veröffentlichungen variieren: Eine Studie mit Wasserballspielern berichtete über eine Dosis von 6,9 J/cm², während eine spätere systematische Übersichtsarbeit, die die gesamte Exposition neu berechnete, für dasselbe Protokoll einen Wert von etwa 13,8 J/cm² angab. Genau aus diesem Grund sollte die Dosierung stets mit Sorgfalt und Bedacht erfolgen.
Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Rotlichttherapie- und Photobiomodulationsgeräte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder ihnen vorzubeugen. Konsultieren Sie stets einen qualifizierten Arzt oder Gesundheitsdienstleister, bevor Sie mit einer neuen Wellness-Anwendung beginnen, insbesondere wenn Sie schwanger sind, an einer Erkrankung leiden oder Medikamente einnehmen. Die Ergebnisse können individuell unterschiedlich ausfallen.
Literaturverzeichnis
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